„Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler“

... schreibt der französische Starautor Philippe Dijan.

In diesem Sinne wün­schen wir Ihnen gute Bes­serung mit den Lese­tipps von Wies­badener*­innen!  Sie stel­len Bücher vor, mit denen sie durch Zeiten und Welten reisen, Neu­land entdecken, Stress und Sor­gen hinter sich las­sen und neue Kraft schöpfen.

Stefan Romanowski
sorgt als Busfahrer bei der ESWE Verkehr nicht nur dafür, dass Wiesbadener*innen sicher und pünktlich ans Ziel kommen. Seine Arbeit trägt auch dazu bei, den Individualverkehr zu verringern und damit die Lebensqualität zu verbessern. Und ganz nebenbei vergrößert er die Bekanntheit der Gesundheitsplattform der Landeshauptstadt: Städtische Omnibusse sind als rollende Werbeträger auch für mymedAQ-Werbekampagnen im Einsatz.

Foto: privat

Buchtipp im mymedAQ Magazin

Ein Sofareiseabenteuer

Cover Als ich einmal in den Canal Grande fiel, Foto: Droemer Knaur
"Nach einem Arbeitstag brauche ich Abstand von Asphalt, Ampeln und Motorengeräuschen. Entweder erkunde ich die Natur im Umland oder ich blättere in Bildbänden über Wälder, Sand- und Eiswüsten und andere unberührte Landschaften, wo man mit einem Gelenkbus nicht weit kommen würde. Aus Zufall ist mir ein Buch in die Hände geraten über eine Stadt, für die das Gleiche gilt. Würde ich in Venedig leben, könnte ich mit meinem Führerschein beruflich nichts anfangen. Außer ich würde, wie die meisten Venezianer, in einen der Stadtteile auf dem Festland ziehen. Und damit bin schon ich mitten in der Geschichte, die die deutsche Autorin und Journalistin Petra Reski erzählt. Seit den 1990er Jahren lebt sie in der Lagunenstadt. Sie beschreibt den Alltag zwischen Renaissance-Palästen und die liebenswerten Eigenheiten der Bewohner. Dabei schwingen Wehmut mit und Kampfgeist, denn Petra Reski nennt die Bedrohung ihrer Heimat durch Massentourismus, Klimawandel und durch die Korruption beim Namen. Sie hat Fakten recherchiert und deckt Zusammenhänge auf – die unter anderem ans Festland führen. Aber ich will nicht zuviel verraten. Erleben Sie selbst ein spannendes, bewegendes und zugleich lustiges Wochenende auf dem Sofa in Venedig, das die Autorin lebendig werden lässt. Das Buch wird Ihren Blick auf das Reisen, auf den Begriff Heimatliebe und auch auf Stadtbusse verändern."

© Droemer Knaur, 2021, 18 Euro

Sie haben Anregungen, eine Kritik, wollen Ihren Termin einstellen oder Themenvorschläge machen? Schreiben Sie uns bitte unter redaktion(at)mymedaq.de

weitere mymedAQ Lesetipps

Bücher, die ins Haus kommen

Online-Bibliotheken und regionale Buchhandlungen, die auch im Lockdown für Sie da sind

Weitere Lesetipps

Romane, Lyrik, Biografien oder Bildbände?Wiesbadener*innen stellen Lieblingsbücher vor

null Nicole Grimm empfiehlt Leckerland ist abgebrannt von Manfred Kriener

Nicole Grimm
ist als Juristin auf Steuer- und Medizinrecht spezialisiert, Städtische Geschäftsführerin der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden und stellvertretende Geschäftsführerin der EGW Gesellschaft für ein gesundes Wiesbaden mbH, die im Auftrag der Landeshauptstadt mymedAQ.de betreibt.
Buchtipp von Nicole Grimm im mymedAQ Magazin

©HSK Wiesbaden

Buchtipp im mymedAQ Magazin

Ein Geschmackserlebnis

Buchtipp im mymedAQ Magazin: Leckerland ist abgebrannt
Essen ist ein Kulturgut, sogar Liebe kann es sein sein, die durch den Magen geht, wie der Volksmund es beschreibt. Der Journalist und Autor Manfred Kriener, geboren 1953, stellt kulinarische Kindheitserinnerungen unseren heutigen Ernährungsgewohnheiten gegenüber. Der Schluss, zu dem er kommt, ist der Titel seines Buchs: Leckerland ist abgebrannt. Die moderne Ernährung ist kaum mehr Teil von Biografien und Familientraditionen, sondern geprägt von industriell vorgefertigen und gefertigten Lebensmitteln. Sie sparen Zeit, oft Geld, aber der Preis ist hoch. Umfassend recherchiert sind die Zahlen und Fakten, etwa über Fructose, die krank macht, über Billigfleisch, das unter zweifelhaften Bedingungen produziert wird, über die Methoden der Fischfangflotten, die Lebensräume und Arten bedrohen. Ist künstlich erzeugtes Fleisch aus dem 3D-Drucker, mit dem Hersteller experimentieren, eine Lösung für die Probleme der Massentierhaltung, vom Antibiotika-Filetstück bis zur Klimaerwärmung durch Treibhausgase? Können Fischfarmen die Meeresfauna- und -flora retten? Bislang nicht, aber vielleicht in einer ferneren Zukunft, so die Bilanz des Autors. Sind die Bio- und Vegetarierbewegung die Alternative? Wenig überraschend lautet auch diese Antwort nein, jedenfalls in vielen Fällen: Fürs Quinoia Müsli mit Goji-Beeren und Sojamilch werden nicht selten Regenwälder abgeholzt und Unmengen von Kerosin für Langstreckenflüge oder Schiffsdiesel verbrannt. Erstaunlicherweise stimmt das Buch über Missstände und Irrwege der Lebensmittelindustrie und Intensivlandwirtschaft nicht pessimistisch. Es zeigt nämlich auch, dass es möglich und nicht unbedingt teuerer ist, bewusst einzukaufen und zu essen. Es erfordert kritisches Verbraucherverhalten und ein Mehr an Arbeit, doch es kann Arztbesuche sparen und Lebensqualität schenken. Seite für Seite ist mir klarer geworden, dass ich mit jeder Mahlzeit mein Leben und die Welt eine wenig besser machen kann, ohne großen Aufwand. Ein Buch, das Appetit macht auf persönliches Engagement und auf Großmutters Rezepte.

© Hirzel, Paperback, 238 Seiten, 18 Euro