„Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler“

... schreibt der französische Starautor Philippe Dijan.

In diesem Sinne wün­schen wir Ihnen gute Bes­serung mit den Lese­tipps von Wies­badener*­innen!  Sie stel­len Bücher vor, mit denen sie durch Zeiten und Welten reisen, Neu­land entdecken, Stress und Sor­gen hinter sich las­sen und neue Kraft schöpfen.

Sigrid Schellhaas

ist Heilpraktikerin und Kursleiterin, Beraterin und Vorsitzende des Frauengesundheitszentrum SIRONA e.V in Wiesbaden. Für Ihr Engagement erhielt sie die "Goldene Ehrenamtsmedaille" der Stadt. Weitere Informationen



Sigrid Schellhaas, mymedAQ-Lesetipp, © Cornelia Renson

Foto: Cornelia Renson

Buchtipp im mymedAQ Magazin
Cover Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören Wollen, Copyright Hanserblau

Ein Denkanstoß


„Für mich war dieses Buch fantastisch. Es ist interessant geschrieben und hat mir viele Aha-Momente beschert. Ich bin aufgewachsen und sozialisiert als weisse Frau im Nachkriegsdeutschland. Rassismen waren alltäglich und haben auch mich geprägt. Die in Köln geborene Journalistin Alice Hasters erzählt ihre Lebensgeschichte. Sie hat eine afro-amerikanische Mutter und wird als farbig gesehen. Während Alice Hasters aufwächst und versucht, ihren Platz in dieser Gesellschaft einzunehmen, wird ihr die Diskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Frauseins im Alltag zunehmend bewusst. Ihre individuellen Erfahrungen stellt sie in einen geschichtlichen und gesellschaftlich Kontext. Die Fakten sind umfangreich recherchiert. Ich bin Alice Hasters sehr dankbar für den Mut und die Offenheit, mit der sie die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmungen und die darauf begründete hierarchische Einordnung in Systeme beschreibt. Davon bin ich auch als weisse Frau betroffen, und ich stelle diese Einordnung in Frage. Die derzeitige Debatte um Rassismus liefert überzeugende Argumente. Sie helfen mir und, ich hoffe, auch der als weiss gesehenen Gesellschaft dabei, ein Stückchen weiter zu kommen auf dem Weg in eine gerechte und soziale Welt."

 



© Hanserblau, 2020, 17 Euro

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null Stefan Schröder empfiehlt Weisse Nächte von Fjodor M. Dostojewski

Stefan Schröder
ist Chefredakteur beim Wiesbadener Kurier. In seinem wöchentlichen Podcast „Schröder trifft“ führt er Interviews zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen.
https://www.wiesbadener-kurier.de/dossiers/schroeder-trifft
mymedAQ Buchtipp von Stefan Schröder

Foto: Sascha Kopp

Buchtipp im mymedAQ Magazin

Ein Klassiker

mymedaq Buchtipp Weiße Nächte
„O mein Gott! Eine ganze Stunde der Seligkeit! Ist das etwa wenig, selbst für ein ganzes Menschenleben?“ Dostojewskis Ich-Erzähler hat gerade eine Riesenenttäuschung erlebt. Seine bis dahin einzige große Liebe, die junge Nastenka, bleibt doch bei einem anderen. Alle Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft hat sich soeben zerschlagen. Aber der träumerische Petersburger macht es wie die Sonnenuhr – er zählt im Nachhinein die schönen Stunden nur. Dazu muss man wissen, dass es in Sankt Petersburg wie in allen Orten des hohen Nordens das Naturphänomen der „Weißen Nächte“ gibt. Während dieser Wochen im Juni gibt es nur wenige Augenblicke Dunkelheit, die Menschen bewegen sich wie in Trance im Freien; mittlerweile ist diese Zeit in Sankt Petersburg die Touristenattraktion schlechthin. Bei Dostojewski, der Freund der armen Leute, treffen sich vor rund 150 Jahren zwei einsame Menschen an einem der malerischen Kanäle im Venedig des Nordens. Die wenigen Tage der Zweisamkeit erleben sie wie einen Rausch. Das Buch ist schnell gelesen und lässt einen trotz der verlorenen Liebe getröstet zurück.

© Insel Taschenbuch, 106 Seiten, 6 Euro