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Zurück Nicole Grimm empfiehlt Leckerland ist abgebrannt von Manfred Kriener

Nicole Grimm
ist als Juristin auf Steuer- und Medizinrecht spezialisiert, Städtische Geschäftsführerin der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden und stellvertretende Geschäftsführerin der EGW Gesellschaft für ein gesundes Wiesbaden mbH, die im Auftrag der Landeshauptstadt mymedAQ.de betreibt.
Buchtipp von Nicole Grimm im mymedAQ Magazin

©HSK Wiesbaden

Buchtipp im mymedAQ Magazin

Ein Geschmackserlebnis

Buchtipp im mymedAQ Magazin: Leckerland ist abgebrannt
Essen ist ein Kulturgut, sogar Liebe kann es sein sein, die durch den Magen geht, wie der Volksmund es beschreibt. Der Journalist und Autor Manfred Kriener, geboren 1953, stellt kulinarische Kindheitserinnerungen unseren heutigen Ernährungsgewohnheiten gegenüber. Der Schluss, zu dem er kommt, ist der Titel seines Buchs: Leckerland ist abgebrannt. Die moderne Ernährung ist kaum mehr Teil von Biografien und Familientraditionen, sondern geprägt von industriell vorgefertigen und gefertigten Lebensmitteln. Sie sparen Zeit, oft Geld, aber der Preis ist hoch. Umfassend recherchiert sind die Zahlen und Fakten, etwa über Fructose, die krank macht, über Billigfleisch, das unter zweifelhaften Bedingungen produziert wird, über die Methoden der Fischfangflotten, die Lebensräume und Arten bedrohen. Ist künstlich erzeugtes Fleisch aus dem 3D-Drucker, mit dem Hersteller experimentieren, eine Lösung für die Probleme der Massentierhaltung, vom Antibiotika-Filetstück bis zur Klimaerwärmung durch Treibhausgase? Können Fischfarmen die Meeresfauna- und -flora retten? Bislang nicht, aber vielleicht in einer ferneren Zukunft, so die Bilanz des Autors. Sind die Bio- und Vegetarierbewegung die Alternative? Wenig überraschend lautet auch diese Antwort nein, jedenfalls in vielen Fällen: Fürs Quinoia Müsli mit Goji-Beeren und Sojamilch werden nicht selten Regenwälder abgeholzt und Unmengen von Kerosin für Langstreckenflüge oder Schiffsdiesel verbrannt. Erstaunlicherweise stimmt das Buch über Missstände und Irrwege der Lebensmittelindustrie und Intensivlandwirtschaft nicht pessimistisch. Es zeigt nämlich auch, dass es möglich und nicht unbedingt teuerer ist, bewusst einzukaufen und zu essen. Es erfordert kritisches Verbraucherverhalten und ein Mehr an Arbeit, doch es kann Arztbesuche sparen und Lebensqualität schenken. Seite für Seite ist mir klarer geworden, dass ich mit jeder Mahlzeit mein Leben und die Welt eine wenig besser machen kann, ohne großen Aufwand. Ein Buch, das Appetit macht auf persönliches Engagement und auf Großmutters Rezepte.

© Hirzel, Paperback, 238 Seiten, 18 Euro