Aus der Praxis der Thera­peu­tin

Was tun, wenn die Krise die Seele belastet?

MymedAQ hat Mira Schmidt-Opper gebeten, Ihre Er­fah­rungen zu teilen und am Beispiel von vier an­ony­mi­sier­ten Praxis­fällen, kon­krete Im­pulse zu geben. Seit mehr als 22 Jahren be­gleitet sie als Trai­nerin für Kon­flikt – und Stress­be­wältigung, Medi­atorin, Coach und Thera­peutin Men­schen in Zei­ten von privaten und beruflichen Kri­sen und Wandel. Plus: Wir nennen An­lauf­stellen für kosten­lose Be­ra­tung und In­ter­ven­tion.


Portrait und Problemlösungs-Strategien von Mira Schmidt-Opper (Coach) im mymedAQ Magazin

Foto: © Mira Schmidt-Opper


Mira Schmidt-Oppers Arbeitsweise in Kürze:
"Ich ermutige meine Coaches, sich andere, neue Fragen zu stellen.“
Seminargruppen, Teams, Familien und Einzelpersonen hilft Mira Schmidt-Opper in ihren Beratungen und Seminaren dabei, die eigene Rolle im Geschehen zu erkennen und danach eine neue Entscheidung zu treffen: „Wer zum Beispiel lernt, die positiven Seiten einer schwierigen Situation zu sehen, kann sie vertrauensvoller annehmen. Im Fachjargon nennen wir das ,Umdeuten`.
Wie das Umdeuten mit Hilfe verschiedener Coachingansätze gelingen kann, schildert Mira Schmidt-Opper an konkreten, anonymisierten Fällen. „Was darf Neues geschehen in meinem Leben?“, ist eine der Kernfragen, die alle ihre Coachees für sich beantworten dürfen: „Der Weg ist oft ungewohnt, doch er lohnt sich, denn er führt zu neuen Impulsen und Lebendigkeit. Eine Krise bringt, wenn wir uns der Veränderung stellen, auch Chancen mit sich, zum Beispiel die Entwicklung neuer Vorgehensweisen, etwa Grenzen zu setzen statt Ja zu sagen oder das Entdecken bislang wenig oder gar nicht genutzter Kräfte, zum Beispiel mutig und zielorientiert zu sein, statt zu zögern und zu verzögern. Wenn wir in Krisen keine neuen Wege gehen, wird es unsere Lebenssituation fast zwangsläufig belasten."

Wie Corinne, 38, gelernt hat, Grenzen zu setzen und nein zu sagen

Die Arzthelferin ist glücklich verheiratet, doch Lockdown und Verhaltensregeln strapazieren die Familienbande

Corinne ist Arzthelferin, 38 Jahre alt, glücklich verheiratet, und hat eine 17 Jahre alte Tochter. Corinne ist fürsorglich, bestens organisiert und hat viel Sinn fürs Praktische. Sie ist es gewohnt, berufliche und familiäre Anforderungen mit Bravour zu bewältigen. In meine Praxis kam sie zu einer Art „Notfalltermin“, sie sei kurz vor einer Nervenkrise, erzählte sie: „Ich kann und will so nicht mehr weiter machen.“

Innerhalb weniger Wochen habe sie fünf Kilo abgenommen, neben Appetitlosigkeit leide sie an Schlafmangel, Atemnot, Nervosität und Grübeleien über die Anforderungen, die das Familienleben seit Corona an sie stellt, und denen sie sich nicht gewachsen fühle. Wie in einer Schraubzwinge gefangen, komme sie sich vor, und sie sehe keinen Weg sich zu befreien.
Dabei erscheint Corinnes Lebenssituation, von außen betrachtet, gut: Ihr Mann hat einen sicheren Job als Bankangestellter. Auch ihre Stelle ist nicht gefährdet. Sie mag ihren Beruf und hat Hobbys, die sie mit ihm teilen kann, und die nicht von Corona betroffen sind, wie Wandern, Radfahren, Gärtnern. Die beiden wohnen zur Miete in einem Einfamilienhaus. Die Tochter ist gerade ausgezogen, sie macht eine Lehre als Kaufmännische Angestellte in einer anderen Stadt.
Corinne hat durch Lockdown und Verhaltensgebote weder finanzielle Sorgen noch Partnerschaftskrisen erlitten.
Stressfaktor: Haushalt und Hilfestellungen im mymedAQ Magazin
Doch durch Corona hat sie den Haushalt ihrer Mutter Gisela und deren Lebensgefährten Klaus teilweise übernehmen müssen. Gisela leidet seit Jahren an Osteoporose und Rückenproblemen und ist Anfang des Jahres gefallen. Eine Operation, die Reha und die weitere Genesung zuhause haben sich aufgrund der Corona-Situation verzögert. Corinne, die einzige Tochter, besucht ihre Mutter seit ihrer Entlassung vor rund zwei Monaten zwei Mal pro Woche, um das Nötigste zu erledigen. Der Lebensgefährte leidet an einem Bandscheibenvorfall und kann sich nur mühsam bewegen.
Corinne bekommt mit, dass die Beziehung der Beiden angespannt ist. Streitpunkt ist meistens die unterschiedlichen Auffassungen über die Haushaltsführung. Klaus erledigt Arbeiten nach Giselas Meinung nicht ordentlich genug, und dieser zieht sich trotzig in seine Bastelwerkstatt zurück. Beim Aufräumen und Saubermachen muss sich Corinne dann Klagen der Mutter anhören. „Ich habe das Gefühl, zum Spielball zwischen den Beiden zu werden“, erzählt Corinne. Immer wieder werde sie in Diskussionen verwickelt und solle Stellung beziehen. Einmal hat sie ein Machtwort gesprochen und verlangt, dass sie nicht länger in Streitereien einbezogen wird. „Danach war Ruhe, aber nur etwa zwei Wochen lang“, erzählt Corinne.
Für ihre Mutter sind nicht nur Folgen des Unfalls, sondern auch Folgen von Corona eine Belastung: Konzerte, Treffen mit Freundinnen, ihre geliebte Wassergymnastik haben ihr Halt und Freude gegeben. Ihre Frustration wächst, und das bekommt auch die Tochter zu spüren. Corinne bekommt statt Dank Vorwürfe zu hören wie: „Du hast ja letztens beim Putzen alles verstellt. Ich finde nichts mehr wieder. Wegen dir muss ich stundenlang suchen statt etwas Gescheites zu machen!
Die Anklagen der Mutter werden immer aggressiver, Besuche entwickeln sich mehr und mehr zum Stress für Corinne. Als Arzthelferin vermutet Corinne Symptome einer depressiven Verstimmung hinter dem Verhalten der Mutter. Den Vorschlag, deswegen den Hausarzt zu konsultieren, verbittet sich Gisela: „Du hast kein Recht, dich in mein Leben einzumischen!“ Doch Corinne glaubt an die Pflicht, eine gute Tochter zu sein, setzt ihre Besuche fort und nimmt Anklagen, Schwarzmalerei und Angriffe hin, meist schweigend, mit dem stummen Mantra: „Die Klügere gibt nach.“

Nicht nur als Tochter, auch als Mutter verlangt ihr Corona zusätzliche Aufgaben ab. Die Tochter, allein in der fremden Stadt, gerät in eine Krise. In täglichen, oft mehrstündigen Anrufen bemüht sich Corinne, Lösungen zu finden für Probleme mit Einsamkeit („Wie soll ich denn in diesen Zeiten Leute kennenlernen?“), Unzufriedenheit im Job („Den ganzen Tag Telkos!“), Zweifel, den richtigen Beruf gewählt zu haben („Das ist alles total langweilig!“), Ärger mit Kolleginnen („Die ist gemein zu mir!“). Ratschläge nimmt die Tochter allerdings nicht an, die Unterhaltungen drehen sich vielmehr im Kreis, und Corinne kommt sich immer hilfloser vor.
„Meine Tochter erwartet von mir Verständnis und Trost“, sagt Corinne, „gleichzeitig reagiert sie ungehalten und wirft mir Sätze um die Ohren wie ,Du hast keine Ahnung Mama. Was hast Du für bescheuerte Vorschläge!`“ Die Tochter beendet das Gespräch, Corinne, besorgt, dass das Kind die lang gesuchte Lehrstelle aufgibt, ruft zurück. Frühestens beim dritten Mal nimmt die Tochter ab. „Das ist für mich eine Tortur“, sagt Corinne, und dass sich die Situation nahezu täglich wiederhole.

Erste Krisenbetrachtungen: Welche Veränderung ihrer Rollen können Corinne helfen?

Sowohl als Tochter als auch als Mutter ist Corinne die Gebende, die Erwartungen erfüllt. Seit Corona sind die Anforderungen in diesen Rollen jedoch größer geworden, zu groß, um sie zu erfüllen. Trotz körperlicher und seelischer Anstrengungen wird Corinne ihnen nicht länger gerecht. Die Unzufriedenheit der Mutter und der Tochter wachsen, der Druck des Familiensystems auf Corinne nimmt zu bis die Grenze der Belastbarkeit erreicht und überschritten ist – und Corinne regelrecht zusammenbricht.
Eine gute Tochter und Mutter zu sein, ist gewissermaßen ein „Urauftrag“. Das Bemühen diente einst dem Erhalt der Sippe und ist in vielen modernen Familien ein Kitt, der zusammenhält. Eine Schwierigkeit, die mit diesem „Urauftrag“ jedoch einhergeht, ist eine zunehmende Blindheit für eigene Bedürfnisse. Viele Frauen spüren zunächst nicht, dass die Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind oder sich ein starkes Versagensgefühl einstellt.
Corinne ist sozusagen blind, wenn es darum geht, Respekt und Wertschätzung für sich selbst einzufordern. Dazu kommt, dass nicht nur sie selbst an die Rolle der Gebenden gewöhnt ist, sondern auch Mutter und Tochter. Darum fordern sie, und Corinne dient und erfüllt. Sowohl ihre Mutter als auch auch ihre Tochter verhalten sich nicht erwachsen und verantwortlich. Macht Corinne Vorschläge, wie die beiden selbstständig handeln und Probleme lösen können, wird sie von beiden abgewiesen.
Mutter wie Tochter machen andere und die Krise verantwortlich für ihre Schwierigkeiten. Corinne soll für sie Hürden und Unzufriedenheiten aus dem Weg räumen und dafür sorgen, dass es ihnen gut geht: ein Auftrag, der unmöglich zu bewältigen ist. Corinne bekommt emotionale Pakete aufgebürdet, die größer und schwerer werden, statt Unterstützung, die sie dringend bräuchte.
Corinnes Fürsorge wird nicht gewürdigt, sondern mit Selbstverständlichkeit erwartet. Das führt dazu, dass auch Corinne es zunehmend „normal“ findet, wie ihre Grenzen überschritten werden und sie ohne Respekt behandelt wird. Corinne macht sich im Lauf unserer Treffen ihre „Blindheit“ bewusst und beginnt hinzusehen: Wie war sie selbst als junge Tochter? Corinne erkennt, dass sie schon als Kind versucht hat, die Liebe ihrer Mutter über Fürsorge zu erringen. Und die Rolle der Fürsorgerin hat sie auch bei ihrer Tochter eingenommen. Doch die Rolle ist veraltet: Was bei einem Kleinkind angebracht war, ist es nicht länger bei einer 17-Jährigen.
Corinne empfindet ein starkes Hindernis, ihrer fast erwachsenen Tochter eine Grenze zu setzen. Sie selbst hat wenig mütterliche Fürsorge erlebt und will ihrem Kind die Erfahrung des Mangels ersparen. Während unserer Zusammenarbeit erkennt Corinne, dass ihre übermäßige mütterliche Fürsorge nicht hilfreich ist für die Selbstständigkeit der Tochter. Und dass Corinne ihrer Mutter gegenüber keine Verpflichtung zur Fürsorge hat, sondern das Recht auf Wertschätzung.
Ein Prozess des Umdenkens kommt in Gang und Corinne erkennt ihre neuen Rolle: Sie muss innerhalb der Familie sich selbst „spielen“, mit all ihren Bedürfnissen, Grenzen und Gefühlen. Ihr Rollenproblem ist verbreitet, gerade unter Frauen: So nah stehen uns Eltern und Kinder, dass es manchmal notwendig werden kann, uns selbst Raum zu verschaffen, damit wir uns nicht erdrückt und überlastet fühlen.
Stressfaktor: Mutter - Tochter und Hilfestellungen im mymedAQ Magazin

Fragen, die Corinne zur Lösung führen

  1. Wie kann Corinne lernen zu sehen, wo ihre Grenzen eigentlich sein müssten?
  2. Wie kann Corinne ihre eigenen Maßstäbe, Bedürfnisse und Gefühle kennenlernen?
  3. Wie kann sich Corinne von der Vorstellung verabschieden, eine „gute Tochter“ sein zu müssen?
  4. Was heißt es eigentlich, mit Abstand betrachtet, eine gute Mutter zu sein?
  5. Wie kann Corinnes Tochter ihre Großmutter unterstützen?
  6. Wie kann Corinnes Mann der Tochter Grenzen setzen, wenn Corinne es nicht schafft?
  7. Wie kann ein ehrliches, liebevolles und doch sehr bestimmtes Grundsatzgespräch mit Mutter und Tochter aussehen ?
  8. Wie kann Corinne sich selbst stärken?
  9. Wie lernt Corinne, ihre Gefühle besser zu spüren?
  10.  Wie kann Corinne lernen, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen, wenn es darum geht,  was richtig und falsch, was nötig und unnötig ist?
  11. Ist das Konzept, jederzeit und bedingungslos für das fast erwachsene Kind da zu sein, das richtige ?
  12. Wie nimmt die Tochter Corinne wahr, die keine eigenen Bedürfnisse äussert, keine Grenzen setzt und weder Respekt noch Wertschätzung verlangt?
  13. Wie und in welcher Form möchte Corinne die Beziehung mit ihrer Tochter neu gestalten?
  14. Wie kann Corinne Unterstützung ihrer Mutter einfordern ?
  15. Kann eine Familienberatungsstelle weiter helfen?


Auswirkungen der Impulse, die Corinne durch das Coaching bekommen hat

Corinne hat ihren Rollenwechsel schrittweise in Angriff genommen, und ich habe sie darin bestärkt, sich Zeit zu nehmen. Als Erstes erzählte sie ihrer Tochter von ihren eigenen Belastungen durch die Haushaltsarbeiten für ihre Mutter und von den Spannungen. Zu Corinnes Überraschung hat die Tochter daraufhin spontan angeboten, sich eine Woche um die Großmutter zu kümmern, so dass sich Corinne eine Auszeit nehmen konnte. Corinne gönnte sich einen Urlaub allein, in dem sie über ihre alten und neuen Rollen nachdenken konnte.

Nach ihrer Rückkehr besorgte sie eine Reinigungshilfe für die Mutter, die ihre Arbeit mit stoischer Gelassenheit erledigt. Im nächsten Schritt erklärte Corinne der Mutter, dass sie eine andere Form des Zusammenseins wünscht: zweimal pro Woche Spaziergänge, bei denen man über die schönen Dinge des Lebens spricht, Erinnerungen austauscht und Pläne für die Zeit nach Corona schmiedet. Kommt es dabei dennoch zu Vorwürfen und Geringschätzung seitens der Mutter, reagiert Corinne, indem sie an ihren Wert erinnert:„Aber Mama, ist es nicht wunderschön, dass Du eine Tochter hast, die Dich unterstützt?“
Sie beginnt, mit Humor auf Anfeindungen zu reagieren, und die Mutter kann  sich hin und wieder  ein Lächeln nicht verkneifen. Und auf ihre Klagen und Schwarzmalerei wiederholt Corinne stur ihren Vorschlag, zum Arzt zu gehen, um depressive Verstimmungen auszuschließen oder behandeln zu lassen. Corinne spürt, wie die Verantwortlichkeit kleiner wird und ihre Energie zurückkehrt.

Um die eigene  Mutterrolle zu verändern, braucht Corinne noch mehr Zeit: „ So labil, wie ich meine Tochter empfinde, muss ich meine Rolle vorsichtig verändern, sonst überfordere ich mich“, sagt sie. Im ersten Schritt delegiert sie kritische Gespräche an ihren Mann und organisiert für sich selbst  eine  regelmäßige therapeutische Begleitung. Auch diese Entscheidung setzt Energien frei, und sie fühlt sich langsam wieder dem Alltag gewachsen.
Sie baut regelmäßig Auszeiten ein: Am frühen Abend nimmt sie sich zwanzig Minuten, um das Tagesgeschehen Revue passieren zu lassen. Sie spürt in ihren Körper hinein und stellt sich Fragen und gibt sich Antworten. Sie lernt seine Signale, etwa dass sich immer ein leises, mulmiges Gefühl im Bauch einstellt, wenn sie eine Grenze setzen muss.

Immer häufiger beginnt Corinne, auf sich selbst zu hören, statt  Bedürfnisse der Mutter und Tochter zu erfüllen. Und beide haben sich nach wenigen Wochen daran gewöhnt, Corinnes Grenzen zu respektieren.

Erste-Hilfe-Maßnahmen, die auch Ihnen  helfen können, sich abzugrenzen und nein zu sagen


Für unsere Liebsten da zu sein und ihnen zu helfen, ist uns ein tiefes Bedürfnis. Dabei fällt es vielen schwer, sich abzugrenzen und den Respekt und die Wertschätzung einzufordern, die Fürsorge und Hilfsbereitschaft verdienen. Hier ein 20-minütiges Abendritual das hilft, auf sich selbst zu achten und sich selbst nicht zu überfordern – und überfordern zu lassen.
 

Zur Ruhe kommen

Gehen Sie an einen Ort, an dem sie allein sind, und setzen oder legen Sie sich hin. Wer mag, macht ruhige Musik an, Kerzen oder verwenden Sie einen Raumduft. Wer innere Unruhe verspürt, Adrenalin und Aggressionen loswerden will, sollte sich vorher körperlich austoben, zum Beispiel beim Radfahren oder schnellen Spaziergang.
 

In den Körper hinein hören

Welche Muskeln sind angespannt? Atmen Sie tief und gleichmäßig, lösen Sie dabei die Anspannungen und akzeptieren Sie Verspannungen, die sich nicht lösen lassen.
 

Gehen Sie den Tag im Geiste durch

Rufen Sie sich Situationen ins Bewusstsein, die nicht oder wenig angenehm waren. Konzentrieren Sie sich dabei aber auf das Gefühl im Körper, das sich einstellt, etwa den Kloß im Hals, Schmerzen im Nacken, Druck im Brustkorb oder den „Stein in der Magengrube“. Beurteilen Sie die Reaktionen nicht, denken Sie sich vielmehr: Es sind meine Gefühle, die im Körper Resonanzen erzeugen.“ Widerstehen Sie dem Impuls, einem unangenehmen Gefühl auszuweichen. Für  Körper und Geist ist es erleichternd und klärend, mit Aufmerksamkeit und mit Fürsorge bei dem Gefühl zu verweilen.
 

Finden Sie Ihre Resonanzen im Körper

Atmen Sie tief ein. Geben Sie sich die Erlaubnis, ein bestimmtes Gefühl haben zu dürfen. Wenn Ihre Fantasie es erlaubt, stellen Sie sich vor, wie sie das Gefühl umarmen. Dann atmen Sie aus. Ist ein Gefühl sehr stark, setzen Sie sich aufrecht hin und legen Sie sich die rechte Handfläche auf die Stirn und die linke Hand auf den Hinterkopf. Halten Sie den Kopf aufrecht und atmen Sie so tief wie möglich drei bis fünfmal ein und aus. Fast jedes Gefühl klingt dadurch ab. Reicht das noch nicht,  bei Ärger zum Beispiel, stehen Sie auf und stampfen und schimpfen Sie wie ein kleines Kind, bis Sie sich  ruhiger fühlen.
 

Stellen Sie sich freundlich Fragen


Wie habe ich mich in die Situation gebracht?

Was hätte ich in dieser Situation gut gebrauchen können?

Wie hätte ich besser für mich sorgen müssen ?

Welche Grenze wäre zu setzen gewesen?

Welches Bedürfnis habe ich zu kurz kommen lassen ?

Was brauche ich zum Trost oder Ausgleich ?

Notieren Sie die Antworten, vertrauen Sie dem eigenen Lern- und  Veränderungsprozess, und lassen Sie auch eigene Fragen entstehen. Genießen Sie nach dem Ritual Ihren freieren und entspannteren Abend und lesen Sie am Ende des Monats ihre Notizen durch. Das hilft beim Entscheiden, welche Verhalten Sie verändern wollen.

 

Ich wünsche Neugierde, Sportgeist, Ausdauer und Freude,
Ihre Mira Schmidt-Opper

Wo Sie Hilfe finden, wenn der Alltag aus den Fugen gerät


Für Familien, Senioren, Frauen, Jugendliche und andere Gruppen gibt es zahlreiche Einrichtungen, Vereine und andere Initiativen, die bei seelischen Problemen und Lebenskrisen weiter helfen – nicht nur in Zeiten von Corona.

Eine Übersicht  bietet die Seite der Stadt Wiesbaden.

Die Corona-Hotline der Stadt berät auch bei Fragen zu Alltagskrisen und Beratungsstellen, täglich zu Bürozeiten  0611 / 31-8080; ebenso die Hotline des Landes Hessen: 0800 / 5554666

Beim Diakonischen Werk Wiesbaden gibt es telefonisch und über die Website  Hilfe bei Lebens-, Erziehungs- und Paarfragen.

Das Gesundheitsamt berät telefonisch: 0611/ 312819 und per Email: spdi(at)wiesbaden.de

Hotlines und Beratungsadressen, insbesondere für Familien und Schwangere, auch aus nicht christlichen Kulturkreisen, listet das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.