Familien­pro­gramm


An­regungen und Adres­sen, die Wies­baden und das Um­land für junge El­tern, Groß­eltern und Kin­der noch ge­sünder und le­bens­werter machen.

"Heißester Scheiß am Virenhimmel"


Foto: Kreisverwaltung Groß-Gerau


Ebenso heimtückisch wie brillant treibt Corona sein Unwesen, der Superheld des Comics „Das geheime Tagebuch eines miesen Virus“. Seine Mission im Dienst des Fachbereichs Jugend und Familie des Kreises Groß-Gerau lautet: Kinder und Jugendliche über die Pandemie zu informieren. Die Leiterin Christine Plenzig (Foto) erklärt, warum die Behörde dabei auch auf Humor setzt.

„Hallo! Mein Name ist Virus, Corona Virus.“ In bester James-Bond-Manier betritt der Superheld die Bühne, ein knallroter Kreis mit einem Kranz aus kurzen Tentakeln. Die Augen sind stechende schwarze Punkte. Jedes Kind erkennt den Bösewicht auf den ersten Blick. Sein Bild ist allgegenwärtig auf Titelbildern von Magazinen und Broschüren, auf Webseiten, in Fernsehsendungen. „Schlaumeier nennen mich auch Sars-Cov-2“, fährt Corona fort und fügt hinzu: „Aber mal ehrlich: Was´n das für´n verkaxxter Name?“

Die Idee sei ganz zu Anfang der Pandemie entstanden, erzählt Christine Plenzig, Leiterin des Jugendamts im Kreis Groß-Gerau: „Wir haben uns gefragt, was die Pandemie für Kinder und Jugendliche bedeutet und wo sie Informationen finden können.“ Zunächst nirgendwo: Die generelle Berichterstattung, auch der Kommunen, richtete sich fast ausschließlich an Erwachsene: „Angebote für Kinder und Jugendliche beschränkten sich damals überwiegend auf Bastel- und Spielideen für den Lockdown.“

Bild Das Tagebuch eines miesen Virus - @ Verlag Jacobi und Stuart 

Christine Plenzig und fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein Team gebildet mit der Aufgabe, Kinder und Jugendliche über Corona aufzuklären: „Wir wissen, dass die größten Probleme aus Nichtwissen entstehen. Daraus können sich Ängste, Sorgen und Widerstände entwickeln, und bei jüngeren Kindern Schuldgefühle. Denn sie neigen dazu, alles, was sie sich nicht erklären können, auf sich selbst zu beziehen.“

Nach den ersten Treffen war klar, dass ein trockener Wissenschaftstext ungeeignet und ein Kinderbuch die beste Lösung sei. Man holte die Autorin und Illustratorin Lilli L´Arronge dazu. Sie schlug einen Comic vor. Zunächst, ab Mai 2020, wurden die Kapitel auf der Website des Kreises Groß-Gerau HelpKids veröffentlicht. Bald zeigten der Hörfunk und ein Verlag Interesse.

„Das geheime Tagebuch eines miesen Virus“ erzählt nicht nur, wie genau Corona-Viren  Körperzellen angreifen, wie sie sich vermehren und verteilen, sondern auch, wie das Immunsystem funktioniert und warum Maßnahmen gegen Corona wirken. Impfungen, aber auch Wasser und Seife, sind als für die Viren tödliche Waffen gezeichnet. Lüften, Masken tragen und Abstand halten werden als fast unüberwindliche Hindernisse dargestellt, an denen die Bösewichte scheitern.

Experten haben die Autorin dabei beraten, wie sich die Inhalte kindgerecht, aber dennoch wissenschaftlich richtig aufbereiten lassen: "Die beschriebenen biologischen Abläufe sind vereinfacht dargestellt, entsprechen den tatsächlichen Vorgängen in unserem Körper", ist im Nachwort zu lesen.

Über Bilder und Texte lässt es sich herzlich lachen. Es macht Spaß, Corona, den selbstherrlichen Bösewicht, scheitern und schließlich besiegt zu sehen. „Gerade in Krisen und schweren Zeiten sind Humor und Wissen wichtige Schutzfaktoren. Das gilt für Kinder wie Erwachsene“, sagt Christine Plenzig. „Diesen Schutz fördern wir mit dem Comic, natürlich ohne die Ernsthaftigkeit des Themas außer Acht zu lassen.“

Das Tagebuch eines miesen Virus - Verlag Jacobi und Stuart

Cover und Illustrationen: © Jacoby & Stuart

Das geheime Tagebuch eines miesen Virus ist im Februar 2021 im Verlag Jacoby & Stuart erschienen, empfohlen für Kinder ab acht Jahren und kostet sieben Euro.

Die Autorin und Illustratorin Lilli L´Arronge hat bereits 2016 ein Kinderbuch über eine Krise geschrieben: Das Thema ist die Posttraumatische Belastungsstörung von Bundeswehrsoldaten: „Schattige Plätzchen – Mein Papa hat PTBS!“. Es ist kostenlos für Betroffene und deren Familien erhältlich über die Evangelischen Militärpfarrämter.

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